Serie zum Kirchenjahr Pfingsten Erste Bekehrung ist Geburtsstunde der KircheDer linke Seitenaltar, der Marienaltar, der zur Urausstattung der Pfarrkirche (17. Jahrhundert) gehört, birgt in sich ein Symbol des Heiligen Geistes. Von hoch oben, vom Knorpelaufsatz sendet der Heilige Geist, dargestellt als Taube, seine Strahlen durch dichtes Gewölk. Foto: Ulrich LieberSerie zum Kirchenjahr: Pfingsten

Sassenberg - Im Rahmen der Serie über das Kirchenjahr stellt Dr. Ansgar Russell heute das Pfingstfest vor. 

Pfingsten ist neben Weihnachten und Ostern das dritte große Fest im Kirchenjahr, dessen Bedeutung allerdings am wenigsten präsent ist. Der Name leitet sich vom griechischen „Pentecoste“ ab, was etwa „am fünfzigsten Tag“ heißt. So wie Ostern seinen zeitlichen Bezug zum jüdischen Pessachfest hat, so fällt auch Pfingsten 50 Tage später mit dem jüdischen Wochenfest Schawuot zusammen, an dem der Offenbarung der Tora gedacht wird. Vom Pfingstereignis wird in der Apostelgeschichte mit aller Dramatik berichtet: „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie ein heftiger Sturm … und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer … alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden…“. Und wie weiter berichtet wird, sorgte damals am Schawuotfest nicht nur die Herabkunft des Heiligen Geistes, sondern noch eine weitere Begebenheit für großes Aufsehen. Es war die flammende Rede des Apostels Petrus an die versammelte Menge, nach der sich sogleich 3000 seiner Zuhörer taufen ließen.

Den Theologen fiel es von jeher nicht leicht, die Bedeutung dieses wohl abstraktesten und damit so wenig „griffigen“ Kirchenfestes zu vermitteln.

Zu Pfingsten wird somit nicht nur die Aussendung des Heiligen Geistes gefeiert, sondern mit der ersten Bekehrung einer großen Menschengruppe auch die Geburtsstunde der Kirche. Den Theologen fiel es von jeher nicht leicht, die Bedeutung dieses wohl abstraktesten und damit so wenig „griffigen“ Kirchenfestes zu vermitteln. Fabian Brand , ein junger erfolgreicher Autor zahlreicher theologischer Bücher, beschreibt Pfingsten sehr prägnant als das Fest, an dem der Heilige Geist gefeiert wird, der Leben und Bewegung bringt, der den Mund öffnet, Verständigung bewirkt und der zum Zeugnis befähigt.

So bleibt die Kirche durch das Wirken des Heiligen Geistes immer auch in der Pflicht eine „ecclesia semper reformanda“ zu sein, eine Kirche, die immer neu zu reformieren ist, wie es auch Papst Franziskus 2017 in Medellin/Kolumbien betonte.

Und nicht ohne Grund gilt Pfingsten auch als Feiertag der Ökumene, an dem ja schließlich alle christlichen Konfessionen den Geburtstag ihrer Kirche begehen. Zum Pfingstmontag gehört es vielerorts schon zur Tradition, dass man gemeinsame Gottesdienste feiert und die Gaben des Heiligen Geistes (Weisheit, Einsicht, Erkenntnis, Rat, Stärke, Frömmigkeit, Gottesfurcht) für den gemeinsamen Weg erbittet. Leider wurden in den letzten Jahrzehnten immer wieder Hoffnungen und Erwartungen auf eine weitere Zusammenführung der Kirchen enttäuscht. Mittlerweile scheint jedoch die Realität, dass die theologischen Differenzen für die jüngeren Generationen kaum noch von Interesse sind, die Kirchen überholt zu haben.

In der Sprache der Bibel wird der Geist durch Bilder von Wind, Sturm und Feuer erfahrbar. Ein weiteres, sehr anschauliches Symbol für das Pfingstwunder und den Heiligen Geist ist die Taube, die insbesondere auch in Darstellungen der sakralen Kunst zu finden ist. Schon in der Antike besaß die Taube eine symbolische Aussagekraft für Sanftmut und Frieden, im Alten Testament bringt sie als Zeichen der Rettung einen Ölzweig zur Arche zurück und im Neuen Testament wird davon berichtet, dass bei der Taufe Jesu der Geist wie eine Taube auf ihn herabgekommen sei. In der profanen Ikonographie wurde die Taube schließlich durch den Weltfriedenskongress 1949 und durch die Friedensbewegung zum weltweit bekanntesten Friedenszeichen.

Sichtbare Symbole für Pfingsten in der Sassenberger Pfarrkirche

Sucht man nun nach sichtbaren Symbolen für Pfingsten in unserer Sassenberger Pfarrkirche, trifft man als erstes im Eingangsbereich der Kirche auf den barocken Taufstein. Er wurde 1686 vom damaligen Generalvikar des Bistums Johann Rotger von Torck gestiftet und von dem namhaften Bildhauer Wilhelm Heinrich Kocks aus Baumberger Sandstein geschaffen. Dieses Kunstwerk ist heute das eigentliche Prunkstück der Kirche, das im gesamten Bistum seinesgleichen sucht. Auf einer achteckigen Sockelleiste erheben sich vier grazile Cherubime, die ein Becken aus einer nach vier Seiten beschnittenen Halbkugel tragen. Lateinische Zitate aus dem Alten und Neuen Testament, die dem Heiligen Geist gewidmet sind, zieren die Flächen. Den bronzenen Deckel mit einer stilisierten Taube schuf in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts der aus Vellern stammende Bildhauer Heinrich Gerhard Bücker.

Auch der linke Seitenaltar, der Marienaltar, der zur Urausstattung der Pfarrkirche (17. Jahrhundert) gehört, birgt in sich ein Symbol des Heiligen Geistes. Von hoch oben, vom Knorpelaufsatz sendet der Heilige Geist, dargestellt als Taube, seine Strahlen durch dichtes Gewölk. Und darunter befindet sich Maria mit dem Jesuskind, eine filigran gearbeitete Sandsteinfigur aus dem Jahre 1706. „Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren aus der Jungfrau Maria“ heißt es im Apostolischen Glaubensbekenntnis, was auf Mariens besonderen Bezug zum Heiligen Geist hinweist.

Schließlich ist das Symbol des Heiligen Geistes auch auf der barocken Sonnenmonstranz aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts zu entdecken. Im Zentrum des prächtigen Ornamentkranzes befindet sich unten das Behältnis für die Hostie, die für Christus steht, darüber thront Gottvater und über allem schwebt die Taube, der Heilige Geist, in einem kleinen Strahlenkranz. Mit Gottvater, Sohn und dem Heiligen Geist findet sich in dieser Monstranz somit auch die ganze Symbolik der Dreieinigkeit, eine weitere schwierige theologische Thematik, der der erste Sonntag nach Pfingsten gewidmet ist, der Dreieinigkeitssonntag.

Quelle: WN vom 31.05.2020  /  Text: Dr. Ansgar Russell  |  Foto: U. Lieber

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