Kirchliches Hochfest feiert einen ganz besonderen Glaubensinhalt

Serie zum Kirchenjahr Fronleichnam Kirchliches Hochfest feiert einen ganz besonderen GlaubensinhaltDie Sassenberger Pfarrkirche St. Johannes Evangelist besitzt zwei prächtige Monstranzen, die in ganz unterschiedlichen Stilepochen entstanden sind. Foto: Ulrich LieberSerie zum Kirchenjahr: Fronleichnam

Sassenberg - In der Serie zum Kirchenjahr geht es heute natürlich um Fronleichnam. Die ersten feierlichen Prozessionen zum Fronleichnamsfest fanden 1276 in Osnabrück und ein Jahr darauf in Köln statt. Schon in kurzer Zeit wurden sie in der gesamten katholischen Welt zum wesentlichen Bestandteil des Festtages.

Mit dem 13. Jahrhundert begegnen wir einer überaus spannenden Zeitepoche, in der es trotz vieler Umbrüche und zahlreicher politischer Konflikte zu bedeutenden kulturellen Weiterentwicklungen kommt. Der gotische Baustil verbreitet sich in ganz Europa, unter dem Stauferkönig Friedrich II erfolgt von Sizilien aus ein reger Austausch mit der arabischen Kultur und antike Philosophen werden wieder entdeckt. Während bedeutende Kirchenlehrer wie Thomas von Aquin oder Albertus Magnus neue theologische Wissenschaftstheorien entwickeln, entsteht in Frauenklöstern eine sogenannte „Frauenmystik“ mit neuen Formen der Christus- und Eucharistieverehrung. So bringt diese Zeit, in der den Frauen ja grundsätzlich ein Zugang zu Lehre und Wissenschaft verwehrt war, doch auch etliche namhafte weibliche Persönlichkeiten hervor. Eine dieser ist die Augustinernonne Juliane von Lüttich, deren Visionen für die Einführung des Fronleichnamsfesteseine entscheidende Rolle spielen sollte. Der Legende nach erscheint ihr als Sinnbild des Kirchenjahres wiederholt eine Scheibe des Vollmondes mit einem dunklen Fleck. Der Fleck wird von ihr als Hinweis für das Fehlen eines besonderen Festes gedeutet, und zwar eines Hochfestes zu Ehren des letzten Abendmahles, einem Hochfest der Eucharistie. Der eigentliche Gedenktag des letzten Abendmahles, der Gründonnerstag, konnte ja wegen des Trauercharakters der Karwoche nicht als ein prunkvoller Feiertag begangen werden.

Die ersten feierlichen Prozessionen zum Fronleichnamsfest finden 1276 in Osnabrück und ein Jahr darauf in Köln statt.

Auf Drängen Julianes von Lüttich führt Bischof Robert von Lüttich dann im Jahre 1246 erstmalig ein ganz auf die Eucharistie bezogenes Hochfest ein, das wenig später von Papst Urban IV für die gesamte Kirche festgeschrieben wird. Auf diese Weise entsteht ein kirchliches Hochfest, an dem man kein biblisches Heilsereignis feiert, sondern einen ganz besonderer Glaubensinhalt. Es ist der Glaube an die reale Präsenz Christie im geweihten Brot.

Während sich im deutschsprachigen Raum für das Fest die Bezeichnung „Fronleichnam“ durchsetzt, die den mittelhochdeutschen Elementen „vron“ und „lichnam“ entstammt und so viel wie „Herr“ und „lebendiger Leib“ bedeutet, ist es in angelsächsischen und romanischen Sprachregionen der lateinische Ausdruck „Corpus Christie“.

Die ersten feierlichen Prozessionen zum Fronleichnamsfest finden 1276 in Osnabrück und ein Jahr darauf in Köln statt. Schon in kurzer Zeit werden sie in der gesamten katholischen Welt zum wesentlichen Bestandteil des Festtages. Später entwickelt sich der Brauch, das Allerheiligste in kostbaren Schaugefäßen (Monstranzen) durch die festlich geschmückten Straßen mitzuführen und an vier Altären den sakramentalen Segen zu erteilen. Die sogenannte Elevation, mit der die konsekrierte Hostie in der Monstranz gehoben und gezeigt wird, wird zum charakteristischen Element des Fronleichnamsfestes.


Die Sassenberger Pfarrkirche St. Johannes Evangelist besitzt zwei prächtige Monstranzen, die in ganz unterschiedlichen Stilepochen entstanden sind.

Bei der ersten handelt es sich um eine aus vergoldetem Kupfer geschaffene barocke Sonnen- oder auch Strahlenmonstranz, die um 1700 datiert ist. Über einem silbernen, mit kleinen Engelputten verzierten Strahlenkranz thront Gottvater und ganz oben schwebt die Taube als Symbol für den Heiligen Geist. Die Hostie befindet sich im Zentrum der Monstranz, sie wird von einer sogenannten Lunula (Möndchen) gehalten und ist von einem mit Halbedelsteinen besetzten Kranz umgeben.

Die zweite, eine neugotische Scheiben- oder Turmmonstranz, wurde 1908 in der noch heute bestehenden Münsteraner Goldschmiedewerkstatt Osthues, dessen damaliger Inhaber sich päpstlicher Hofgoldschmied nennen durfte, gefertigt. Zur Zeit des Historismus ließ man sich gerne von der Formensprache den ersten, im Mittelalter entstandenen Monstranzen, inspirieren. Im Zentrum dieser zweiten Monstranz ist ein gläsernes Hostienbehältnis zu sehen, das von dem Bistumspatron, dem hl. Ludgerus und dem hl. Johannes Evangelist, dem Patron der Pfarrkirche, flankiert wird. Nach oben folgen für die Gotik typische, mehrfach gegliederte Architekturaufbauten mit filigranem Strebewerk und Fialen, die ihren Abschluss in einem krabbenbesetzten und von einem Kreuz bekrönten Helm finden. Die Figur des auferstandenen Christus mit Siegesfahne auf einem Sockel oberhalb der Hostie ist uns vielleicht noch aus einer Abbildung des Osterartikels in Erinnerung.

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr Fronleichnam, das sicherlich katholischste Kirchenfest, in seiner Akzeptanz immer wieder Höhen und Tiefen. Mit Beginn der Reformation erlebte das Prozessionswesen zunächst einen deutlichen Niedergang bis es im Zuge der Gegenreformation als sogenannte „demonstratio catholica“ eine regelrechte Renaissance erfuhr. Als einer der entschiedensten Verfechter der Gegenreformation gilt unbestritten der Münsteraner Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen, der Sassenberg nicht nur zur Residenz ausbaute, sondern dem Ort auch die Pfarrkirche St. Johannes Evangelist stiftete. Zu seinem Rekatholisierungsprogramm gehörte nicht nur die Reaktivierung des Wallfahrtswesens, sondern auch die Förderung von Stadt- und Flurprozessionen, wie eben auch die der Fronleichnamsprozession. Im weiteren Verlauf der Geschichte erhielten so manche Fronleichnamsprozessionen auch eine politische Dimension oder dienten dem Ausdruck eines persönlichen Bekenntnisses. Im 19. Jahrhundert, zur Zeit des Kulturkampfes, wurden Prozessionen nicht selten als Demonstration des Widerstandes gegen den preußischen Staat wahrgenommen und zur Zeit des Nationalsozialismus konnte eine Teilnahme daran manche unliebsame Folgen nach sich ziehen.

Während sich heute sowohl Pilgerreisen als auch Wallfahrten vielerorts nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen, ist die Teilnahme an Prozessionen eher rückläufig, was bereits vor etlichen Jahren in Sassenberg zur Einstellung der sogenannten „Großen Prozession“ führte.

Wehmütig mag sich manch einer an die prächtigen Prozessionen erinnern, die üppig geschmückten Straßen und zahlreichen Hausaltäre, die passend zum Prozessionsschritt gesungenen Lieder und an den Einzug in die Kirche mit dem Anstimmen des Te Deums als feierlichen Abschluss. Die heutige Sinngebung des Fronleichnamsfestes hat sich jedoch geändert. Sie geht nicht mehr vom Bild einer „ecclesia triumphans“, sondern eher von dem eines wandelnden Gottesvolkes aus, dessen Mitte Christus, das Brot des Lebens ist. Mancherorts steht das Fronleichnamsfest auch unter einem jährlich wechselnden Motto, das den christlichen Glauben mit den Anliegen der Menschen von heute verbinden soll.

Quelle: WN vom 11.06.2020  /  Text: Dr. Ansgar Russell | Foto: Ulrich Lieber

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